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Weihnachten: Warum schenken wir uns etwas?

Erstellt am: 01.11.2012

Volle Fußgängerzonen, Gedränge in den Geschäften, abgehetzte, schwer bepackte Menschen. Besinnlich geht es während der Adventszeit in den Innenstädten nicht gerade zu. Und das nicht nur in Deutschland. 114 Mal pro Stunde wurden vorweihnachtliche Einkäufer im Durchschnitt angerempelt, fand der Stressforscher Aric Sigman bei einer Untersuchung auf der Londoner Oxford Street heraus. Kein Wunder, dass Blutdruck und Puls der Käufer stiegen - um mehr als zehn Prozent.

Der weihnachtliche Gabentausch verlangt nicht nur Körpereinsatz. Die einen zerbrechen sich schon lange im Voraus den Kopf, andere rennen erst kurz vor dem Fest los, getrieben vom schlechten Gewissen. Unberührt bleibt kaum jemand. Zur Weihnachtszeit wechseln in Deutschland Päckchen im Wert von 73 Milliarden Euro den Besitzer. Beliebt sind vor allem Parfüms, Pflegeartikel, Wellnessprodukte und Klassiker wie Bücher oder CDs. „Die meisten Geschenke könnten sich Erwachsene, sofern sie nicht arm sind, selbst leisten", stellt der Psychologe und Soziologe Dr. Friedrich Rost von der Freien Universität Berlin fest, der sich intensiv mit dem Phänomen des Schenkens beschäftigt hat. Viel Aufwand also für ein Konsumgut, das der Empfänger für sich selbst vielleicht passender gewählt hätte. Zu viel Stress, zu viel Kommerz, klagt jeder Zweite über den vorweihnachtlichen Einkaufstrubel. Dennoch folgt nur eine Minderheit nicht dem Brauch zu schenken. Die meisten nehmen die Mühe des Geschenkesuchens jedes Jahr wieder auf sich.Warum tun sie das, fragen sich Wissenschaftler. Ihre Antwort: Geschenke spielen eine wichtige Rolle im menschlichen Zusammenleben. Das freiwillige Geben wird inForm unterschiedlicher Rituale in allen Gesellschaften gepflegt. „Es dient weltweit dazu, Beziehungen zu erhalten und zu stärken", sagt Professor Gerhard Schmied, Soziologe aus Mainz. „Freiwilliges Geben, Teilen oder Schenken wirkt aggressionshemmend und stabilisiert Beziehungen", bekräftigt Rost.

Gabe und Gegengabe
Im Idealfall beglückt ein Geschenk beide. Der Empfänger freut sich über die passende Gabe, der Gebende erlebt sich als großzügig, aufmerksam und wohlwollend. Damit dies gelingt, gibt es Regeln. Denn tatsächlich handelt es sich beim Schenken meist um ein Tauschgeschäft. „Von der Definition her ist es zwar eine freiwillige und unentgeltliche Leistung, dennoch erscheint eine Gegenleistung meistens als verpflichtend", beschreibt Rost die paradoxe Situation. Die Balance zwischen Gabe und Gegengabe zu halten fällt an Weihnachten besonders schwer. Weil die Schenkenden ihre Päckchen gleichzeitig austauschen, können sie nicht vorher abschätzen, ob diese gleichwertig sind. Und weil niemand als knausrig dastehen möchte, geben die meisten etwas mehr, als sie selbst erwarten. Zu viel darf es aber auch nicht sein: Ein riesiges Paket unter dem Weihnachtsbaum kann den anderen beschämen oder prahlerisch wirken.

Sprechen ohne Worte

„Schenken ist eine riskante Sache", sagt Schmied. „Es ist eine Kontaktaufnahme, bei der man nicht über Worte, sondern über Gegenstände etwas sagt." Die wortlosen Botschaften lassen Raum für Interpretationen. Die alljährliche Krawatte für den Ehemann kann bedeuten: Ich habe keine Lust, mir allzu viele Gedanken über dich zu machen. Pralinen für die diäthaltende Freundin lassen zumindest Unaufmerksamkeit vermuten. Ein Deo für den Kollegen kann diesen kränken und eine wenig verschlüsselte Aufforderung zu mehr Körperpflege sein. Aber selbst wer mit den besten Absichten gibt, kann enttäuschen - wenn das Geschenk zeigt, dass Gebender und Nehmender die Qualität ihrer Beziehung unterschiedlich einschätzen. Jeder Fünfte umgeht diese Risiken und greift nach Angaben des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels zu Gutscheinen. Damit überlässt er dem Beschenkten die Wahl, „zeigt aber auch, dass ihm nichts eingefallen ist oder dass er unsicher ist", sagt Schmied. Von der Vereinbarung, zu Weihnachten nichts zu schenken, hält der Soziologe wenig: „Damit nimmt man sich die Möglichkeit eines Kontakts." Die ritualisierte Geschenkübergabe zu Weihnachten soll Nähe schaffen und die Gemeinschaft stabilisieren. Es gibt also gute Gründe, warum sich die meisten trotz Stress und Hektik alljährlich in das vorweihnachtliche Getümmel stürzen. Aber: „Wenn wir uns einmal zum Schenken entschlossen haben, sollten wir uns auch die Mühe machen, genau das Geschenk zu finden, das den anderen beglücken kann", rät Geschenkforscher Friedrich Rost. Zur Freude beider: Der Beschenkte darf sich über die gelungene Gabe freuen, der Schenkende über sein gutes Gespür.



Quelle: apothekenumschau.de

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